Tagungsbericht Internationales Sommerseminar für Antike Rechtsgeschichte und römisches Recht in Belgrad vom 28.-30.04.2018

30.11.-1 -  

Das Internationale Sommerseminar für Antike Rechtsgeschichte und römisches Recht fand in diesem Jahr unter dem Titel „Magie und Recht“ auf Einladung der juristischen Fakultät vom 28. bis 30. April in Belgrad statt. Als Teilnehmer der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg reisten Prof. Dr. Dreher und Robert Zeltner in die serbische Hauptstadt.

Zum Beginn der Tagung hießen Prof. Gerhard Thür und Prof. Sima Abramovic die Seminarteilnehmer willkommen und blickten gemeinsam auf die erfolgreiche Geschichte des Sommerseminars zurück.

Den Auftakt zum wissenschaftlichen Teil der Tagung machte Prof. Guido Pfeifer aus Frankfurt am Samstagabend mit einem Vortrag zum mittelbabylonischen Gottesurteil in CBS 4579. Dieses, so Pfeifers These, habe einer Gesellschaft, die vornehmlich dem Prinzip der Kausalität verhaftet war, die unmittelbare Lösung kontingenter Problemstellungen in Rechtsfragen ermöglicht.

Im Anschluss sprach Johannes Bieber, ebenfalls Frankfurt, zur Rolle des Eides in gerichtlichen Prozessen altbabylonischer Zeit. Die Untersuchung mittels eines kommunikationsanalytischen Ansatzes zeige, dass der Eid keine weiteren Informationen zum Prozess beigesteuert habe, sondern lediglich mangels anderer Beweise Eingang in das Verfahren fand. Die Selbstverfluchung als konstituierendes Element des Eides sei durch die fehlenden Hinweise auf die weltliche Sanktionierung eines Meineides belegt.

Ebenfalls mit dem Eid in rechtlichen Dokumenten befasste sich danach Prof. Eva Jakab aus Budapest, in diesem Fall jedoch mit eigentumsrechtlichen Fragen im römischen Britannien des 2. Jahrhunderts n. Chr.

Der zweite Tag des Seminars begann mit einer Rückkehr ins babylonische Recht. Der Vortrag von Charlotte Berg aus Frankfurt beschäftigte sich mit dem juristischen Charakter der Nam-bur-bi-Rituale zur Abwendung des Bösen. Dieser sei vornehmlich terminologisch, so das Fazit, wenn auch juristische Handlungen Teil der Rituale sein konnten.

Dr. Athanassis Delios von der Demokrit-Universität Thrakien diskutierte anschließend die Beziehung zwischen Recht und Magie im klassischen Athen anhand einiger ausgewählter Fluchtafeln aus dem 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. Diese hätten vornehmlich als zusätzliches Mittel zum Prozess gedient und hätten die Gegenpartei negativ beeinflussen sollen. Zudem hätten die Prozessteilnehmer auf diese Weise negative Gemütsäußerungen verarbeiten können.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch Josephine Lesniak aus Hamburg bei ihrer Untersuchung der Mainzer Fluchtafeln. Diese seien nicht, wie häufig angenommen, Ausdruck der Hilflosigkeit ihrer Autoren, die auf dem Rechtsweg mit ihrem Anliegen gescheitert oder von vornherein von diesem ausgeschlossen seien, sondern seien supplementär zu einem Gerichtsverfahren genutzt worden.

Nach einer kurzen Pause gab Robert Zeltner aus Magdeburg den Einstieg in den Themenkomplex der Schadenzauber. Habe sich die römische Gesetzgebung in den Zwölftafeln, aber auch noch in der Lex Cornelia, auf die Ahndung bestimmter Vergehen konzentriert, bei denen Magie zum Einsatz kam, sei diese später zu einem generellen Verbot magischer Tätigkeiten ausgebaut worden.

Es folgte der Vortrag von Simon Schultes aus Tübingen, der nach eingehender Quellenexegese die These vertrat, dass die Gesetzgebung zu Schadenzaubern in den Zwölftafeln nicht auf den Diebstahl, sondern auf die Sachbeschädigung fremder Feldfrüchte mittels Magie abzielte.

Prof. Andreja Katancevic, der Gastgeber aus Belgrad, widmete sich im Anschluss ebenfalls den Zwölftafeln, legte den Fokus aber auf das bei Plinius zitierte „malum carmen incantassit“.

Einen weiteren Beitrag aus Belgrad leistete Sava Vojnovic, der die Magiegesetzgebung Kaiser Konstantins im 4. nachchristlichen Jahrhundert vorstellte.

Es folgte Lea Sophie Jehn aus Bochum mit einer Quellenexegese der Digestenstelle D. 10,2,4,1 Ulp. 19 ad ed. Den Fokus legte sie hierbei besonders auf die Rolle des Iudex und auf das Erbrecht in Bezug auf verbotene magische Bücher im Nachlass.

Einen zeitlichen Schritt zurück zur athenischen Gesetzgebung machte Thomas Kompos aus Thessaloniki am Beispiel des bei Demosthenes überlieferten Falles der Zauberin Theoris. Auch wenn der Grund für die Anklage und Verurteilung der Theoris nicht mehr zweifelsfrei zu rekonstruieren ist, bot dieser Fall Kompos eine willkommene Grundlage für theoretische Überlegungen zum Umgang der Athener mit dem Vorwurf der Magieanwendung.

Eleni Georga aus Tübingen wandte sich im vorläufig letzten Vortrag des Tages einem Abschnitt der Verteidigungsschrift des Apuleius (De magia 27,6-12) zu und versuchte daraus das Beziehungsgeflecht zwischen den Anklägern und dem Beschuldigten sowie die Grundlage der Anklage zu rekonstruieren.

Der hier untersuchte Gerichtsprozess lag auch dem anschließend von Teilnehmern aus Belgrad und Wien vorgeführten „Mock trial“ zugrunde, das die Geschehnisse rund um die Zaubereianklage des Apuleius ins klassische Athen verlegte und die entsprechenden Rechtsvorstellungen anlegte. Ein weiterer Gerichtsprozess, der von Erstsemestern der juristischen Fakultät der Universität Belgrad vorgeführt wurde, verhandelte die Taten des Herakles, ebenfalls vor einem athenischen Gericht. Die Darsteller überzeugten durch ihre schauspielerischen Leistungen und rhetorisches Geschick.

Den letzten Vortrag der Tagung hielt Prof. Andreas Serafim von der Universität Zypern. Passend zu dem zuvor gesehenen Schauspiel befasste sich der vorgestellte Aufsatz mit der Hypocrisis, den Momenten in attischen Gerichtsreden, in denen die Sprecher ihre Ausführungen durch Gesten oder vokale Betonungen zu unterstützen versuchten. Diese Momente zu rekonstruieren sei trotz der offensichtlichen Schwierigkeiten eines solchen Unterfangens möglich, so Serafim.

Zum Abschluss der Tagung ging es am Montag auf eine gemeinsame Exkursion nach Sremski Karlovci, dem Zentrum der serbischen Kultur unter Habsburger Hoheit im 18. Jahrhundert.

Robert Zeltner

Letzte Änderung: 18.10.2018 - Ansprechpartner: Webmaster