XVI. Internationales Sommerseminar zur antiken Rechtsgeschichte

Vom 21. bis 24. Juni 2012 trafen sich, zum XVI. Internationalen Sommerseminar zur antiken Rechtsgeschichte, Rechtshistoriker aus verschiedenen europäischen Ländern sowie einige Historiker der Universität Magdeburg. Eingeladen hat 2012 Prof. Dr. Johannes Platschek von der Universität Wien in den idyllischen Bergort Schimmelbach bei Passau.

Nicht nur das Tagungspublikum war international, sondern auch die Redner kamen aus verschiedenen europäischen Universitäten, nämlich aus Szeged, Wien, Zagreb, Tübingen, Frankfurt a. M., Sao Paulo, Mailand, Belgrad, Bochum und eben auch Magdeburg. Die Tagung bot sowohl etablierten Wissenschaftlern als auch Doktoranden und Studenten die Möglichkeit, ihre aktuellen Forschungsergebnisse einem breiten Publikum vorzustellen.

Das Thema der Tagung lautete: „Kampf ums Recht. Prozess und Vollstreckung als Zentrum der antiken Rechtsordnungen“. Der Titel erlaubte eine breit gefächerte Auswahl an Vortragsthemen.

Die erste Sektion der Tagung lief unter dem Titel „Alter Orient“ und hatte ihren Schwerpunkt auf der Rechtslage im alt- und neubabylonischem Reich. Hier sei besonders der Vortrag von Prof. Dr. Guido Pfeifer aus Frankfurt a. M. herausgehoben, in welchem ein Teilprojekt des aktuellen LOEWE-Schwerpunkts „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ vorgestellt wurde. Das Projekt beschäftigt sich mit der Funktion von Klageverzichtsklauseln in altbaylonischen Vertrags- und Prozessurkunden.

Die nächste Sektion vollzog dann einen Sprung zum griechischen und hellenistischen Recht. Hier soll der Vortrag des Wiener Doktoranden Andreas Bartholomä herausgehoben werden. Dieser versuchte, aus der Komödie „Ekklesiazusen“ des Aristophanes Rechtsvorstellungen und Normen der Athener abzuleiten.

Der römische Zivilprozess nahm gleich zwei Sektionen ein. Hier stach im Besonderen der Vortrag von Frau Friederike Erxleben aus Tübingen hervor. Sie ging anhand einer Digestenstelle der Frage nach, ob es möglich war, die Restitution einer Klage zu erreichen, wenn dem Prinzipal keine actio de dolo zustand.

In der Sektion mit dem Titel „römische Vollstreckung“ zeigte zudem Prof. Dr. Fabian Klinck aus Bochum auf, wie die Entwicklung der römischen Personalvollstreckung zu rekonstruieren ist.

 

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Einen zusätzlichen Impuls in der ansonsten rechtshistorisch ausgerichteten Tagung konnten die beiden Vorträge der Magdeburger Studierenden des Master-Studiengangs „Europäische Kulturgeschichte“, Bianca Bornstedt und Christian Sperling, geben. Diese waren in die Sektion „Römischer Strafprozess / Gerichtsrede“ eingebettet. Die Leitung der Magdeburger Gruppe hatte Prof. Dr. Martin Dreher inne, der Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte des Altertums an der Universität Magdeburg. Bianca Bornstedt untersuchte in ihrem Vortrag, ob es für heutige Historiker möglich ist, wenn uns von einem römischen Prozess nur die Verteidigungsrede überliefert ist, auf dieser Basis eine Anklagerede zu entwickeln. Als Beispiel hierfür wählte sie Ciceros Rede „pro Flacco“ und versuchte, hieraus eine Anklageschrift zu rekonstruieren. Auch der zweite Magdeburger Redner beschäftigte sich mit dieser Verteidigungsrede Ciceros. Christian Sperling versuchte, anhand der Beschreibung der griechischen Zeugen innerhalb der Rede den generellen Umgang mit Zeugen in Verteidigungsreden aufzuzeigen. Beide Magdeburger Vorträge sind im Rahmen eines Seminars zur Pro-Flacco-Rede Ciceros entstanden. Ähnlich war es auch schon 2010 beim XIV. Internationalem Sommerseminar zur Antiken Rechtsgeschichte im Roncalli Haus in Magdeburg, als das Tagungsthema „Senecas `De Beneficiis´“ lautete. Beide Male wurden die Vorbereitung der Vorträge und die dazugehörigen Seminare von Frau Kirsten Jahn, M.A. betreut.

Zu erwähnen ist außerdem noch, dass das Seminar zu Ciceros Rede „pro Flacco“ nicht nur in den entsprechenden Vorträgen mündete, sondern dass der Prozess mitsamt der rekonstruierten Anklagerede in Magdeburg auch öffentlich aufgeführt worden ist. (hierzu mehr)

 

Letzte Änderung: 24.10.2018 - Ansprechpartner: Prof. Dr. Martin Dreher