Der Liebesfluch des Sarapammôn – Zeugnisse antiker Magie

Bei nahezu allen Fluchtafeln muss sich die Wissenschaft allein mit den mehr oder weniger lesbaren Zeichen auf der Bleiblatte begnügen. So hat wahrscheinlich Sarapammôn selbst diese gerollte Bleitafel vergraben.

Tafel_selbst

(Bildquelle: Kambitsis, S.: Une nouvelle tablette magique d’Égypte. Musée du Louvre, inv. E 27145 - IIIe/IVe siècle, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 76 (1976), S. 213-223, Tafel XXXI)

Doch in diesem Fall ergänzen weitere Quellen diesen Fluch bzw. diese Art des Liebesfluches. So wurde auch eine weibliche Figur gefunden, die mit 13 Nadeln durchbohrt ist, und auf einem Papyrus ist eine Anleitung für einen Liebeszauber überliefert, die nahezu identisch mit dem Fluch des Sarapammôn ist. Bevor der Fluch vonstatten gehen kann, wird folgendes Vorgehen angeraten:

“Nimm Wachs oder Ton von einer Töpferscheibe und knete zwei Figuren, eine männliche und eine weibliche. Den Mann bilde wie einen gewappneten Ares: in der Linken halte er ein Schwert, das er gegen ihre rechte Schlüsselbeingrube zückt, sie selbst aber sei an den Armen rücklings gefesselt und auf die Knie gesunken. Den Zauberstoff aber befestige an ihrem Kopf oder Hals. Schreib auf das Gebilde des Weibes, das du heranzwingen willst, und zwar auf ihren Kopf: [Zauberworte], auf ihr rechtes Ohr: [Zauberworte], auf ihr linkes: [Zauberworte] , auf das Antlitz: [Zauberworte] ; auf das rechte Auge: [Zauberworte] , auf das andere: [Zauberworte], auf das rechte Schlüsselbein: [Zauberworte], auf den rechten Arm: [Zauberworte]; auf den anderen: [Zauberworte] , auf die Hände: [Zauberworte] , auf die Brust den Namen der Bezwungenen nach ihrer Mutter, auf das Herz: [Zauberworte] [Zauberworte] ‚Thooyth‘, unter den Unterleib: [Zauberworte], auf die Scham: [Zauberworte], aufs Gesäß: [Zauberworte], auf die Sohlen, und zwar auf die rechte: [Zauberworte], auf die andere: [Zauberworte], und nimm dreizehn eherne Nadeln und steck eine in das Hirn und sprich dazu: ‚Ich durchbohre dir, du NN, das Hirn, und zwei in die Ohren und zwei in die Augen und eine in den Mund und zwei in die Eingeweide und eine in die Hände und zwei in die Schamteile, zwei in die Sohlen, jedesmal dazu sprechend: ‚Ich durchbohre das betreffende Glied der NN, auf daß sie an niemanden denke, außer an mich, den NN allein‘ und nimm eine Bleiplatte und schreib den gleichen Spruch darauf und sag ihn her und bind die Platte an die Figuren mit einem Faden vom Webstuhl in 365 Knoten, sprich dabei das dir bekannte: ‚Abrasax, halt fest‘ und leg sie bei Sonnenuntergang am Sarg eines vorzeitig Gestorbenen oder gewaltsam Umgekommenen nieder; daneben auch Blumen der Jahreszeit.”

(Text nach PGM IV, 296-335)

Dazu passt die durchbohrte Frauenfigur: Puppe_louvre

(Bildquelle: Kambitsis, S.: Une nouvelle tablette magique d’Égypte. Musée du Louvre, inv. E 27145 - IIIe/IVe siècle, in: Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 76 (1976), S. 213-223, Tafel XXX)

 

Letzte Änderung: 24.10.2018 - Ansprechpartner: