Michael Belitz, MA

Michael Belitz, MA

Fakultät für Humanwissenschaften (FHW)
Bereich für Geschichte (GES)
Gebäude 40, Zschokkestraße 32, 39104 Magdeburg, G40-189
Tel.: +49 391 67-56561 Fax: N.N.
Sprechzeiten: Dienstag, 11:00-12:00 Uhr
Vita
  • 2007 Abitur am Geschwister-Scholl Gymnasium Gardelegen
  • 2007-2008 Wehrdienst
  • 2008-2010 Studium der Politik- und Geschichtswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • 2010-2014 Studium der Kulturwissenschaften (BA HF Europäische Geschichte / NF Sozialwissenschaften) an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • 2014-2016 Studium der Europäischen Kulturgeschichte (MA) an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • 02/16-08/16 Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für die Geschichte des Mittelalters
  • seit 09/2016 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bereich für Geschichte
Sprechzeit

Dienstag, 11.00-12.00 Uhr

Publikationen
Lehre

WiSe 2016/17

Die salischen Heinriche

SoSe 2017

Heilige Knochen, wundersames Wirken. Mythen, Wunder und Visionen im Mittelalter

WiSe 2017/18

Wendepunkte der europäischen Geschichte im Mittelalter

SoSe 2018

Einblicke in die mittelalterliche Gesellschaft

WiSe 2018/19

Glaube und Gewalt

SoSe 2019

Magdeburg im Mittelalter - Mittelalter in Magdeburg

WiSe 2019/20

Die Suche nach den Anfängen - Ursprungs- und Herkunftsmythen im Mittelalter

Dissertationsprojekt

Die Magdeburger Bischofschronik

Gegründet durch Caesar, von Karl dem Großen missioniert und schließlich durch Otto den Großen zum Erzbistum erhoben: Die Anfänge und der Aufstieg Magdeburgs stehen mit drei bedeutenden Herrschern in Verbindung. Dies ist zumindest die Perspektive, die die Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium – der Tatenbericht der Magdeburger Erzbischöfe – auf die frühe Geschichte von Stadt und Erzbistum eröffnet. Mit der Glorifizierung der Vergangenheit steht das Werk in der Tradition der Gattung ‚Bischofschronik‘, durchbricht die klassischen Genregrenzen jedoch. Nicht die Taten Adalberts von Weißenburg, der 968 zum ersten Vorsteher des neugegründeten Erzbistums wurde, stehen am Beginn, sondern mit dem Bezug auf Julius Caesar werden die Anfänge der eigenen Institution in die Antike gesetzt. Diese Konstruktion der Ursprünge sagt viel über das Selbstverständnis der Vertreter des Erzbistums Magdeburg zur Entstehungszeit der Bischofschronik aus – für eine im Wesentlichen an historischen Fakten interessierte Geschichtswissenschaft, führten solche und andere Fiktionen jedoch zu einem generellen Misstrauen gegenüber historiographischen Werken. Im Laufe der Zeit änderten sich jedoch die Fragestellungen und die methodischen Zugänge zu dieser Quellengattung, so dass neue Erkenntnisse fernab der Frage, wie es eigentlich gewesen sei, gewonnen wurden. Viele historiographische Werke wurden in den letzten Jahren unter diesen veränderten Vorzeichen untersucht, nicht jedoch die Magdeburger Bischofschronik.

Und dies obwohl es sich bei den Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium um eines der wichtigsten Zeugnisse für die früh- und hochmittelalterliche Geschichte Magdeburgs handelt! Doch auch für das Spätmittelalter ist die Chronik eine wichtige Quelle zur Magdeburger Geschichte, da einige Handschriften bis zum Jahre 1512 über die Taten der Erzbischöfe berichten. Auf Grundlage der bis heute maßgeblichen Edition der Bischofschronik durch Wilhelm Schum, die 1888 in der Scriptores-Reihe der MGH erschien, wurde das Werk für die Faktengeschichte intensiv herangezogen. So stellen für das bis heute grundlegende Werk Dietrich Claudes zur Geschichte des Erzbistums Magdeburg die Gesta eine der zentralen Quellen dar. Umso erstaunlicher ist es, dass die Bischofschronik bis heute nicht unter den veränderten Fragestellungen untersucht wurde. Dieses Desiderat soll durch das Dissertationsvorhaben behoben werden.

Zwar setzte eine wissenschaftliche Beschäftigung mit der Quelle bereits im späten 19. Jahrhundert ein und erreichte mit den Arbeiten Bernhard Schmeidlers in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ihren Höhepunkt, doch stand dabei vor allem die Frage nach dem Verfasser und der Textgenese im Vordergrund. Die von Schmeidler aufgestellte These, dass die älteste Fassung des Werkes um 1142 von einem einzigen Verfasser niedergeschrieben worden sei, wurde lange Zeit akzeptiert, zuletzt jedoch wieder angezweifelt. Eine Klärung dieser Frage soll ein Ziel des Dissertationsvorhabens sein. Damit zusammenhängend, aber auch darüber hinausgehend, soll gefragt werden, ob sich ein konkreter Entstehungsanlass erkennen lässt, welche Ziele der Verfasser verfolgte und welches Geschichtsbild in der Chronik entworfen wird. Daraus resultierend ist nach dem generellen Quellenwert des Werkes für die Faktengeschichte des Erzbistums zu fragen. Ein weiteres Anliegen der Arbeit ist es, das Werk in die – nicht nur sächsische – Historiographielandschaft des Mittelalters einzubetten: In welcher Abhängigkeit stehen die Gesta zu anderen Werken und in welchen geistes- und ideengeschichtlichen Kontext sind sie zu stellen?
Die Grundlage für die Auseinandersetzung mit dem Werk bildet die handschriftliche Überlieferung. Es haben sich über 10 Abschriften des Werkes erhalten, für mittelalterliche Verhältnisse eine hohe Zahl, die auf das Interesse an der Bischofschronik bereits in früheren Zeiten hinweist. Die Überlieferungslage birgt jedoch auch Probleme, sodass eine intensive Auseinandersetzung mit den einzelnen Textzeugen notwendig ist. Einerseits ist hierbei zu fragen, inwiefern sich aus den erhaltenen Handschriften Erkenntnisse über mögliche ältere, heute verlorene Fassungen ergeben, andererseits lässt sich aus jeder Abschrift ein individuelles Geschichtsbild erkennen.

Unter den skizierten Aspekten soll sich den Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium genähert werden, um dieser zentralen Quelle für die Geschichte Magdeburgs die Würdigung zukommen zu lassen, die sie verdient.

 

Letzte Änderung: 16.10.2019 - Ansprechpartner: Prof. Dr. Stephan Freund